In der Zeitschrift Begegnung – Deutsche schulische Arbeit im Ausland erschien in der jüngsten Ausgabe 1-2020 ein Artikel über Géraldine Schwarz, eine ehemalige Schülerin der Deutschen Abteilung.

In Mit dem dritten Auge gegen das Vergessen spricht sie auch über Ihre Erfahrung mit dem Lycée International:

Das multikulturelle Miteinander an der Schule [dem Lycée International] war auch ihr größtes Pfund, erinnert sich Géraldine Schwarz. Das habe ihren Blick auf die Welt geschärft. „Im Literaturunterricht auf Französisch ging es darum, uns für die Literatur als Kunstform zu sensibilisieren und uns zu Trägern der französischen Kultur zu formen. Über die Literatur, die wir im deutschen Unterricht besprachen, lernten wir hingegen Dinge, die für das alltägliche Leben in einer Demokratie wichtig waren: sei es Verantwortungsbewusstsein, die Fehlbarkeit des Menschen sowie die Veränderung seines Verhaltens in einer Gruppe vor dem Hintergrund der Nazi-Vergangenheit. Diese Themen habe ich im Deutschunterricht mit Autoren wie Max Frisch oder Günther Grass kennengelernt.“ Es war auch ein Deutschlehrer, der Géraldine Schwarz dazu aufforderte, Ungehorsam zu zeigen, sollte ihr Bauchgefühl sie auf Ungerechtigkeiten hinweisen: ein Aufruf zur eigenen politischen Meinungsbildung, den sie im französischsprachigen Unterricht so nicht wahrnahm. „Wenn man in zwei Kulturen aufwächst, entsteht eine Art drittes Auge. Man erkennt Eigenschaften der französischen Kultur, die die Franzosen selbst nicht sehen. Umgekehrt verhält es sich genauso bei der deutschen Kultur.“